Eduardo Moguillansky
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121 - Program Notes

Deutsch

Das Hauptkonzept für die Reihe “band” besteht aus der instrumentalen Resynthese eines digital aufgenommenen Klanges. Im Fall von “121” dient als Quelle eine historische Aufnahme (1984) aus einem Verhör im Ermittlungsverfahren gegen die Militär Junta in Argentinien, insbesondere in Bezug auf die Organisation der Verschleppungen und die Befehlskette innerhalb der „comandos“. Aus diesem Dokument wurde ein Fragment ausgewählt, das 11 Mal mit verschiedenen Zeitskalen wiederholt und nacheinander gestellt wurde. So entsteht eine Matrix von 11x11 Zellen. Das Stück besteht daraus, diese Projektionen durch eine Reihe verschiedener Strategien zu erkunden. Dies wird vor allem mit Hilfe eines Verfahrens namens „Konkatenative Synthese“ durchgeführt, die Sprach-Erkennung und Synthese benutzt wird. Bei dieser Art von Synthese wird aus kleinen Fragmenten (oft nicht länger als 1/10 einer Sekunde) ein Klang rekonstruiert. Diese Fragmente werden aus einer vorhandenen Datenbank (Corpus) ausgewählt. Der Original-Klang wird in einer bestimmten Abtastrate analysiert und den Klang aus dem Corpus ausgewählt, dessen spektrale Eigenschaften am besten mit dem Original zusammenpassen.

Im Fall von „121“ besteht die Datenbank aus Klängen, die eine gewise Physikalität besitzen und potenziel auch vokale Eigenschaften haben, ohne selbst durch vokale Mitteln produziert zu werden. Jeder „Zelle“ in der Matrix wird ein spezifischen „Subcorpus“ zugewiesen: an einer bestimmten Zeit steht nur eine Auswahl aus dem gesamten Corpus für das Matching-Prozess zur Verfügung Jedes Subcorpus fokussiert sich auf einen spezifischen Aspekt der Klangproduktion.

Es gibt 121 Felder, in einer 11x11 Matrix. Die Felder können in zwei Kategorien aufgeteilt werden: Original und Derivat. In den Original-Feldern wird eine Audio-Aufnahme analysiert und ihre wichtigste spektrale Eigenschaften extrahiert. Das Ziel ist hier nicht Tonhöhe oder Obertöne und ihren Verlauf zu determinieren, sondern einen “Fingerabdruck” des Klanges zu berechnen, wodurch Klänge nach ihrer Ähnlichkeit zueinander zugeordnet werden können. Das gleiche Prozedere wird auf die Klänge und Gesten des Ensembles angewendet. Eine Auswahl der Ensemble-Klänge wurde im Voraus aufgenommen und katalogisiert und bildet zusammen ein Korpus aller möglichen Klänge, die im Stück auftreten können. Innerhalb dieses Korpus wird der Klang gesucht, der am dichtesten zum Original steht. Jedem Feld der Matrix wird ein Subkorpus (ein Subset der möglichen Klängen) zugeteilt.

Der Analyse-Auswahl-Vorgang, wodurch immer der am nächsten liegende Klang gesucht wird, wird mit verschiedenen Geschwindigkeiten (Abtastraten) wiederholt und mit diversen polyphonischen Verzweigungen. Gemeinsam bilden diese ausgesuchten Klänge eine Art (analoge) Resynthese des Originals. Das Zusammenagieren von Abtastrate, Polyphonie und Klangfarbe-Konfiguration des Subkorpus konstituieren die Auflösung oder “Pixelierung” jedes Feldes. In den Derivat-Feldern geschieht etwas leicht Verschiedenes: nicht das original Audio, sondern die Simulierung der Resynthese eines früheren Feldes wird resynthetisiert. Die Resynthese wird durch ein anderes Korpus als im Original-Feld durchgeführt. Dieses Verfahren kann wiederholt eingesetzt werden und so entstehen Derivat-Felder ersten Grades, zweiten Grades, etc. Mit jeder Derivationsinstanz wird zunehmend Information des Originals verloren und die Texturen werden homogener zueinander.

Das Verfahren ist auch so organisiert, dass zu jedem Zeitpunkt nur ein Instrument auftreten kann. Aus den verschiedenen Klangmöglichkeiten der sieben Instrumente ensteht ein Metainstrument.

Das Durchlaufen der Matrix konstituiert das Stück. Das Ziel dieses Verfahrens ist weniger die Imitation als die Usurpation (im Sinne Agambens) des Klanges -Bacon sagt: „die Wunde“.


English

    Under Construction


Sketch: the original audio and part of the live reconstruction played simultaneously